guitar

24.September.2011

Basement app – Interview mit Hubert Rössel

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Von Hidden Hero Redaktion

Gerade hat er sein sechstes Album herausgebracht: Hubert Rössel mit „Basement app“. Zusammen mit der Band „Drozdzilla“ macht er sich jetzt auf den Weg, eine gemeinsame Tour zusammenzustellen, beide Bands spielen auch auf der Kunstnacht in Landsberg. Ein Interview mit Hubert Rössel über Schwärmerei in ausreichendem Abstand, Leidenswege, die Spaß machen und sein neues Album.

HH: Gerade ist dein neues Album erschienen. Der Titel „Swamp“. Sumpf. Wieso?
Hubert Rössel: Sumpf, das sind die Untiefen, durch die es sich im Leben immer wieder durchzuwühlen gilt. Es heißt ja immer, ich soll mal fröhliche Texte machen – deshalb habe ich mit „Make my day“ einen verhalten fröhlichen Song geschrieben, er handelt von einer Schwärmerei in ausreichendem Abstand (lacht).

HH: Du singst englisch. Warum?
Hubert Rössel: Weil deutsch so eine präzise Sprache ist, dass es weit schwieriger ist, nicht platt oder bemüht oder schonungslos zu werden.


Von Realitätsausweichmethoden und Hängematten

HH: Deine Band Basement app gibt es rund 20 Jahre, jetzt kommt das sechste Album, und das alles zusätzlich zu Deinem Beruf. Du liegst offensichtlich nicht viel in Hängematten rum. Was treibt Dich an? 
Hubert Rössel: Musik ist die beste Realitätsausweichmethode, die es gibt. Und außerdem brauche ich nicht viel Schlaf – und: Ich habe keine Zeit für facebook. Anders geht es auch nicht. Musiker sein ist das eine. Etwas anderes ist es, ein Projekt auf die Beine zu stellen und zu Ende zu bringen, für Live-Auftritte zu sorgen, die Kreativität im Fluss zu halten, die Musiker zu motivieren. Eben für alles zu sorgen, was notwendig ist. In meinen Bands war ich immer der Realisator.


Spannend, lyrisch, emotional


HH: Basement app und Drozdzilla – beide Bands treten zum Beispiel jetzt auch auf der Kunstnacht zusammen auf, Eure CDs sind gleichzeitig erschienen – wie hängt das bzw. ihr zusammen?
Hubert Rössel: Schon mal personell – Andreas Ja zum Beispiel spielt in beiden Bands Trompete, ich spiele in beiden Gitarre, Evelyna Drozdzowska, die Frau hinter „Drozdzilla“, spielt ebenfalls in beiden Formationen. Ich habe Evelyna vor ein paar Jahren bei einem Lagerfeuer kennengelernt. Mir hat ihr eigener Stil als Gitarristin sofort sehr gut gefallen, sowohl auf der akustischen als auch auf der E-Gitarre. Sie hat einen sehr prägnanten musikalischen Charakter – ein spannendes Projekt! Ihre Texte sind sehr lyrisch, eine unmittelbare Umsetzung von Emotionen, die sie so verarbeitet. Alle Texte sind polnisch, eine Übersetzung liegt ihrem Album bei.

Ein Leidensweg, der Spaß macht


HH: Drozdzilla hat ja gleichzeitig mit basement app ein Album veröffentlicht.
Hubert Rössel: Ich hatte den Kontakt zu zwei ausgezeichneten Toningenieuren, die gerade dabei waren, ein neues Label zu gründen – „Klangschutz“ in München in der Winzererstraße – und daran interessiert waren, ein eigenes Programm aufzubauen. Daraus ergab sich die Möglichkeit, in ihrem neuen Studio aufzunehmen. So haben wir diese Gelegenheit eben auch gemeinsam genutzt.

HH: Wieviel Zeit steckt in deinem Album?

Hubert Rössel: Vor rund einem Jahr haben wir damit angefangen, aufzunehmen ¬ und den Mix zu realisieren – mal am Wochenende, mal in der Woche. Die Kompositionen waren zum Teil schon da, zum Teil habe ich neue geschrieben. Im Herbst 2010 waren die Aufnahmen fertig. Dieses Projekt hat mich viel Geduld gekostet. Es ist ein Leidensweg. Und es hat viel Spaß gemacht.

HH: Worum ging es dir musikalisch?
Hubert Rössel: Für mich war wichtig, dass auf der CD spontanes Spiel zu hören ist. Auf der CD sind einige spontane Nummern, die im Studio entstanden sind – sowas kommt immer wieder bei Basement app. vor. Das ist auch meine Arbeitsweise: Es geht mir nicht darum, genau festzulegen, wie etwas klingen soll. Wichtig ist für mich vielmehr, dass immer der Moment zählt, dass immer etwas entstehen kann. Auch im Studio. Ich will nicht einen Song nach dem anderen abspulen, sondern insgesamt die Beweglichkeit haben, das Zusammenspiel mit einer musikalischen Kompetenz durchzuziehen.


HH: Wie hat sich diese Philosophie entwickelt?
Hubert Rössel: Das hat auch mit den Musikern zu tun, die mich zum Teil über 20 Jahre lang begleitet haben – ich bin dafür sehr dankbar. Und zum Teil sind es auch wieder ganz neue Leute mit neuen Impulsen. Diese Mischung schafft Vertrauen und Sicherheit und ermöglicht Innovation. Nur so kann man neue Leute in eine Band mit hineinnehmen: Alte Hasen und neue Leute arbeiten mit dem, was im Moment entsteht. Das hält meine Band seit über 20 Jahren lebendig.

Such dir einen Toningenieur, der deine Erwartungen weit übertrifft

HH: Noch ein Tipp für andere Musiker, die ein Album machen wollen: Wie findet man seinen Weg?
Hubert Rössel: Mein Tipp: Es geht nicht nur darum, jemanden zu finden, der das passende Ohr hat. Man muss vielmehr merken, dass das, was derjenige aus deiner Musik macht, die eigenen Erwartungen noch übertrifft! Natürlich habe ich eine Vorstellung davon, wie meine Songs klingen sollen. Aber mit innovativen Leuten arbeiten heißt: Die holen etwas heraus, das du selbst so nicht erreicht hättest. Ein guter Toningenieur braucht die Fähigkeit, das aufzufassen, was der Künstler sich vorstellt – und es dann doppelt so gut umzusetzen. Dann wird es lebendig. Die Jungs von Klangschutz zum Beispiel haben die Ohren weit offen. Sie haben einen guten Draht zu atmosphärischen und zum Teil auch skurrilen Sounds, wie sie etwa durch Maultrommel oder Udu entstehen. 

HH: Udu?
Hubert Rössel: Ein Tonkrug. Ich setze ihn gar nicht so als Instrument ein, eher für die körperliche Wirkung, man spürt die Bewegung, die da drin ist, und das bewegt auch den Song.

Für die leichte Hand

HH: Wo kann man euch in nächster Zeit sehen?
Hubert Rössel: Im Oktober in Rosenheim und Traunstein. Wir machen uns jetzt mit unseren Alben auf den Weg, um Touren zusammenzustellen. Ich wünsch mir, dass unsere Lebendigkeit so anregend ist, dass es unsere Zuhörer anmacht, sofort selbst Musik zu machen. Oder wenigstens die Hausarbeit von leichter Hand zu erledigen.


Willst du Kulturförderer sein?


HH: Habt ihr schon Alben verkauft?
Hubert Rössel: Rund 1.000 Euro von den Produktionskosten sind schon wieder drin. Ich frage die Leute: Willst du Kulturförderer sein und meine CD kaufen? Und die meisten wollen.
HH: Dann sagen wir jetzt mal an unsere Leser gerichtet: Wollt Ihr Kulturförderer sein? Eine CD kostet 15 Euro, und Ihr kriegt sie z.B im Discy: www.discy.de. Videos kann man sich in YouTube und in Hidden-Hero angucken. Und heute Abend beide Bands live auf der Kunstnacht.
 

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